Donnerstag, 19. April 2012
Freiarbeit bei Maria Montessori
Maria Montessori (1870-1952) war italienische Ärztin und Pädagogin. Sie entwickelte eine spezielle Richtung der Reformpädagogik.
Ein Kernstück ihrer Montessori-Pädagogik ist die "Freie Arbeit" , das sogenannte Freispiel, in dem die Kinder eigenständig wählen, womit sie sich beschäftigen wollen. Freiarbeit fördert und erhält das Interesse am Lernen. Maria Montessori nennt dies den „psychologischen Schlüssel“. Das Kind wird aktiv, möchte sich selbst Erkenntnisse verschaffen, anstatt mehr oder weniger passiv Wissen aufzunehmen. Ganz gleich, ob es eine Lösung für ein Problem durch Ausprobieren sucht, durch Nachlesen oder gezielt Fragen oder ob es durch Beobachtung anderer lernt – mit der Zeit wird es immer eigenständiger lernen und damit die entscheidende Fähigkeit erwerben, sich selbst Wissen anzueignen. Für Maria Montessori entsprach dieser Prozess dem Aufbau der Gesamtpersönlichkeit.
Den Begriff Freiarbeit hat Maria Montessori selbst zwar nie verwendet. Wenn man dennoch von Freiarbeit im Sinne Montessoris redet, meint der Begriff die Freiheit in der Gestaltung der Lern- und Arbeitssituation, die die Montessori Pädagogik den Schülern zugesteht. Ein Teil der Verantwortung für das eigene Lernen wird in der Freiarbeit in die Hände der Lernenden selbst gelegt. Damit kann dem individuellen Lernverhalten Rechnung getragen werden weil das Kind seine eigene Methode entwickelt und verfeinert. Das Kind selbst wählt beispielsweise die Art des Herangehens an einen Themenkomplex und das entsprechende Material (Freiheit des Interesses), allerdings in einem vom Pädagogen nach didaktischen Zielen vorgegebenen und begrenzten Materialangebot, dessen exakte und einzig mögliche Handhabung wiederum von der Lehrkraft erläutert wird.
Diese genauen Vorgaben ergeben sich aus der Annahme Montessoris, es gebe einen „Bauplan“, nach dem sich alle Kinder entwickeln und innerhalb dieses Bauplans gäbe es unterschiedliche „sensible Phasen“ , in denen die Kinder bzw. Heranwachsenden unterschiedliche Interessen und Charakteristiken zeigen. Entscheidend für den Entwicklungsstand eines Kindes ist dabei nicht sein Alter oder Jahrgang, sondern vielmehr die jeweilige sensible Phase in der sich das Kind gerade befindet. Diese Phasen werden mitunter auch Lernfenster genannt.
In Montessori-Einrichtungen ist deshalb für jede Entwicklungsstufe eine Umgebung entsprechend den Bedürfnissen der Kinder vorbereitet: jedes Montessori-Material ist für eine ganz bestimmte sensible Phase konzipiert und für die Lernenden auch nur in dieser Phase interessant.
Diese sogenannte vorbereitete Umgebung zeichnet sich also dadurch aus, dass das Kind aus einer Vielfalt von passenden Materialien und Aktivitätsmöglichkeiten eigenständig auswählen und Lerninhalte aus verschiedenen Bereichen (Sprache, Mathematik, Kosmische Erziehung etc.) selbstständig erarbeiten können. Die Lehrkraft übernimmt die Rolle des Beobachters und Beraters.
Ohne Freiarbeit ist es kaum möglich, die sensiblen Phasen effektiv zu nutzen und den Kindern ihre individuelle Entwicklung zu ermöglichen.
Anders aber als beim herkömmlichen Stundenplan, der Zeitpunkt und Zeitrahmen für ein Arbeitsvorhaben vorschreibt, erlaubt die Arbeitsform der Freiarbeit den Kindern nach eigenem Interesse und im eigenem Lerntempo zu lernen (Freiheit der Zeit). In der Freiarbeit gibt es keine festgesetzte Unterrichtszeit. Entscheidend ist der Zeitbedarf, den der Lösungsweg erfordert. Zeitdruck würde Forschungsdrang und Wissensdurst ersticken oder innerhalb von Gruppen getroffene Vereinbarungen über die Herangehensweise stören. Zudem benötigt jedes Kind individuell unterschiedlich Zeit für dieselbe Aufgabe oder entscheidet sich für eine aufwändigere Lernmethode. Schüler, die bereits fertig sind, haben in der Freiarbeit die Möglichkeit, ein Thema zu vertiefen oder sich anders zu beschäftigen.
Auch ob sie lieber allein, mit einem Partnerkind oderin einer Gruppe arbeiten wollen, bleibt ihnen überlassen (Freiheit der Kooperation). Der Notwendigkeit, sich in die Gruppe einzubringen und kommt dabei ebenso große Bedeutung zu wie der Fähigkeit, Dinge auf eigene Faust zu entdecken und erkennen und alle Möglichkeiten einer Lösungsfindung auszuloten.
Die Freiheiten sind aber auch in der Freiarbeit nicht unbegrenzt: auch hier gelten Regeln, wie sie die Zeit der Freiarbeit nutzen sollen. Beispielsweise wird von den Kindern erwartet, dass sie eine einmal begonnene Arbeit auch zu Ende führen. Frei ist das Kind jedoch in der Wahl der Herangehensweise an die Aufgabe. Die Lehrkraft steht ihm dabei in beratender Funktion zur Seite und ist vor allem darauf bedacht, das Kind zu motivieren und ermutigen, bis zur Lösungsfindung durchzuhalten.
Voraussetzung für die Freiarbeit ist der Rahmen den die Pädagogen hierfür schaffen. Dies ist zunächst eine gezielte Fragestellung, weiterhin das dazu passende Material, die unterstützende Betreuung und schließlich das entsprechende Zeitfenster. Von Montessori entworfenes Lernmaterial - das so genannte "Entwicklungsmaterial" oder "Selbstbildungsmaterial" kann in zwei Gruppen unterschieden werden: das "Sinnesmaterial", mit dem das Kind Sinneserfahrungen machen kann, und das "intellektuelles Material", das durch die manuelle Beschäftigung zur Schulung abstrakten Denkens beiträgt.
Zur Vorbereiteten Umgebung gehört auch das Überprüfen der Lösungen. Anders als im Regelunterrichtwird hier die Leistung nicht benotet. Das Montessori Material ist so konzipiert, dass die Schüler selbst sehen ob sie die Aufgabe richtig gelöst haben.
Montessori praktizierte Freiarbeit vornehmlich in altersgemischten Kindergärten und Primarklassen. Während sie ihre Schulkonzeptionen für 7-12jährige Kinder selbst praktisch erprobte, blieb ihr Entwurf für eine "Erfahrungsschule des sozialen Lebens" für die 12-18jährigen jedoch Theorie.
Link:
http://www.montessori-deutschland.de
weiterführende Informationen zum heutigen Ansatz der Montessori-Pädagogik
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